Kükelhaus Greiflinge

Greiflinge gehören schon immer zum volkstümlichen Kunsthandwerk verschiedenster Länder und Kulturen. Früher waren sie jedoch vorrangig Rasseln und Knarren, mit denen laute Geräusche erzeugt werden konnten. Sie wurden den Babys zur Abwehr von bösartigen Geistern in die Wiege gelegt. Der Erfinder der Greiflinge aus Holz, -so wie wir sie heute kennen, war Hugo Kükelhaus. Seine Intention war es, natürliches und einfaches Babyspielzeug zu erschaffen. Er hat im Laufe seiner Schaffenszeit eine ganze Reihe von Greiflingen entworfen und gestaltet, die eines Babys Sinne durch einfache Form und natürliches Material auf eine besondere Art anregen und fördern. Er machte sich einen Namen als Pionier in der Herstellung von Babyspielzeug.

Ein Greifspielzeug für Babys zu erschaffen war nicht sein Ansatz. Man muss ein wenig tiefer in die Entstehung der Greiflinge einblicken und auch den Menschen Kükelhaus anhand seiner Werke und Maxime beleuchten, um das zu verstehen. Kükelhaus beschäftigte sich im Rahmen seines Schaffens mit den Fröbelschen Spielgaben. Er teilte die Auffassungen und Thesen von Fröbel. Ihm ging es ähnlich wie Friedrich Fröbel um eine schöpferischen Entwicklung vom Einfachen hin zum Komplexen. Während Fröbel sich in seiner Arbeit im wesentlichen auf Kinderspielzeug fokusierte waren Kükelhaus Spielsachen von Anfang an für Babys gedacht. Er war überzeugt, dass jede Form auch einer Interpretation bedarf und Objekte für Babys und Kleinkinder immer wieder neue Bedeutungen bekommen können. Es ging ihm also um die Interpretation von einfachen Objekten. Seiner Ansicht nach begünstigt eine einfache Form die Entstehung von Kreativität und Sensibilität. Je einfacher eine Form, desto mehr Bedeutungen kann ein Kind annehmen, denn Kinder haben ein erlebnishaftes und ganzheitliches Verhältnis zu den Dingen. Das Berühren stand für ihn vorerst nicht im Mittelpunkt, sondern die Deutung. Deshalb nannte er seine Babyspielzeuge zunächst nicht Greiflinge, sondern "Spielzeug Allbedeut". Im Austausch mit der Fröbel-Forscherin Erika Hoffmann entstanden dann ab 1939 eine Reihe von „Allbedeut“-Spielzeugen. Das „Allbedeut“-Spielzeug wurde erst durch Entwicklungspsychologen Jean Piagets zum Greifspielzeug umgedeutet.

Er zog den Schluss: „Die Spielzeuge von Allbedeut sind für ein Baby vor allem etwas Greifbares.“ Für Piagets sind Objekte für Babys vorrangig Greifobjekte und keine interpretierbaren Objekte im geläufigen Sinne. So kam es, dass das Greifen auch für Kükelhaus und sein Umfeld in den Mittelpunkt getreten ist. Er sah Potenzial im Verkauf seiner Spielzeuge, ließ sich Ende der 30'er Jahre bereits Muster registrieren und eröffnete ein Geschäft um den Verkauf seiner Babyspielzeuge zu starten. Die "Allbedeut Holzgreiflinge" waren die ersten Spielsachen dieser Art auf dem Markt. Etwa 30 Jahre nach ihrer Entwicklung wurden Kükelhaus Babygreiflinge noch mit dem Bundespreis "Gute Form" ausgezeichnet.

Kükelhaus Greiflinge gibt es noch heute

Die Holzgreiflinge von Hugo Kükelhaus waren also der Ursprung der heutigen Greiflinge, und das Original gibt sie noch heute. Sie werden weiterhin in traditioneller Handwerkskunst und originalgetreu nach Kükelhaus Vorlagen hergestellt. Die Fertigung erfolgt in Handarbeit, in kleinen Produktionsmengen. Die Hohenfrieder Werkstätten sind ein Beispiel. Hier fertigen Menschen mit Behinderungen aus heimischen Hölzern Kükelhaus Holzgreiflinge, die sie anschließend mit Pflanzenölen einer Oberflächenbehandlung unterziehen.

Urfisch: Fischrassel und Greifling nach Hugo Kükelhaus

Der Urfisch-Greifling wurde erstmals 1958 in der Brüsseler Weltausstellung mit einer Reihe von anderen Greiflingen als "Allbedeut" Spielzeug von Hugo Kükelhaus präsentiert. Er ist also bereits ein „alter Klassiker“. Die heutige Hohenfrieder Version der Fischrassel wird in sechzehn Arbeitsschritten per Hand aus Kischbaumholz gefertigt. Im Inneren des Fisches befindet sich eine Holzkugel, die beim Schütteln ein Klackergeräusch produziert. Der Fisch ist von Hand gedrechselt, die Oberfläche des Holzes wird ebenfalls von Hand mit Pflanzenölen konserviert. Mit einer Länge von 13,5 cm und einer Breite von 6,5 cm ist es eine der größeren Babyrasseln und deshalb erst zum Greifen und Klappern für Babys ab zirka vier Monaten geeignet. Der Hohenfrieder Fisch ist mit dem „spiel gut“ Zeichen prämiert. Hohenfried ist die Heimat für 40 Kinder- und Jugendliche sowie 147 Erwachsene mit geistiger Behinderung. Die “Wahrnehmung” ist hier ein zentrales Thema. Viele Produkte der Werkstatt beziehen sich darauf. Greiflinge nach den Vorgaben von Hugo Kükelhaus zu produzieren liegt hier deshalb sehr nahe. Bei Interesse an dem Rasselfisch oder anderen Greiflingen nach Kükelhaus finden Sie im Woody-Toys OnlineShop.

Weiterführende Informationen zu Hugo Kükelhaus

Kükelhaus (1900 – 1984) war ein facettenreicher Mensch mit einem beeindruckenden Lebenswerk. Ein Minimalist, der in vielen Bereichen gestalterisch tätig war. Man bezeichnet ihn auch als Pionier der Sinnespflege. Seine Maxime war: Mäßige Reize entwickeln und starke Reize hemmen. Zentrales Thema seiner Arbeiten war immer wieder die Überwindung der Reizüberflutung. Deshalb war ihm Holz als Material für sinnliche Tasterfahrung äußerst wichtig. Er war ein Pädagoge, Forscher, Künstler und Handwerker mit bemerkenswerten Leistungen in Philosophie und Wissenschaft. Er gilt zudem als Wegbereiter der modernen Erlebnispädagogik.

Buchtipps zur Entstehung der Holzgreiflinge durch Kükelhaus

Hugo Kükelhaus und das Spielzeug Allbedeut – von Jürgen Münch

Jürgen Münch hat ein Buch über das Allbedeut Spielzeug von Hugo Kükelhaus geschrieben. Das Buch erläutert die pädagogischen Grundlagen der Allbedeut Spielzeug und die Entstehung der Holzgreiflinge. Es enthält Zeichnungen und und Abbildungen von Originaldokumenten.

Werkstatt des Lebens: Durch die Sinne zum Sinn – von Otto Schärli

Otto Schärli hat ebenfalls ein Buch zum Thema geschrieben. Es trägt den Titel “Werkstatt des Lebens“ und ist ein Werk-, Lehr- und Spielbuch für Kindergruppen und Schulklassen. Das Buch ist von Schärlis Freundschaft zu Hugo Kükelhaus entscheidend geprägt und enthält viele Details zu der Entstehung der Holzgreiflinge.